Dentapolitan Klinik

Kann das Kiefergelenk Schwindel und Gleichgewichtsstörungen verursachen?

Der funktionelle und orthopädische Ansatz von Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak.

Viele Menschen mit Schwindel und Gleichgewichtsstörungen wenden sich zuerst an HNO-Fachärzte, weil sie eine ohrbedingte Erkrankung vermuten. Dieser Ansatz ist oft richtig.

Bei manchen Patienten lässt sich jedoch in den Untersuchungen keine eindeutige Innenohrerkrankung feststellen. Die MRT ist normal, die neurologische Untersuchung zeigt kein ernsthaftes Problem. Dennoch hat der Patient weiterhin folgende Beschwerden:

  • Schwindel
  • Gefühl von Unsicherheit
  • Schwankgefühl beim Gehen
  • Druckgefühl im Ohr
  • Tinnitus (Ohrgeräusch)
  • Gefühl von vermindertem Hören
  • Nackenschmerzen

Manche Patienten berichten zusätzlich zu Schwindel und Tinnitus über vermindertes Hören. Dies muss unbedingt von HNO-Fachärzten abgeklärt werden, denn Hörbeschwerden können mit Innenohrerkrankungen, Hörnervpathologien oder anderen medizinischen Ursachen zusammenhängen — und in manchen Fällen zusammen mit funktionellen Störungen des Kiefergelenks und des umliegenden Muskelsystems auftreten.

An diesem Punkt ist eine der zu beurteilenden Strukturen das Kiefergelenk.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kiefergelenk und Gleichgewichtssystem?

Der menschliche Körper besteht nicht aus Systemen, die unabhängig voneinander arbeiten. Unser Gleichgewichtssystem tauscht ständig Daten aus zwischen:

  • dem Innenohr
  • dem Sehsystem
  • der Nackenregion
  • sensorischen Informationen aus Muskeln und Gelenken

Das Kiefergelenk ist ebenfalls ein wichtiger Teil dieses Systems. Die Muskeln, Bindegewebe und Nervenstrukturen rund um das Kiefergelenk stehen in enger Beziehung zur Kopf-Nacken-Region. Daher können bei manchen Patienten kiefergelenkbedingte Funktionsstörungen die Gleichgewichtswahrnehmung beeinflussen.

Neuere Studien zeigen, dass sich manche Schwindel- und Gleichgewichtsprobleme nicht allein durch das vestibuläre System erklären lassen. Insbesondere wird angenommen, dass sensorische Reize aus Kiefergelenk, Kaumuskeln und Halswirbelsäule die Gleichgewichtswahrnehmung beeinflussen können. Daher ist es bei manchen Patienten wichtig, Kiefergelenk und Nackenregion gemeinsam zu beurteilen.

Schwindel kommt nicht immer vom Innenohr

Bei einem großen Teil der Patienten mit Schwindel ist die Ursache das Innenohrsystem. Bei manchen Patienten können jedoch folgende Dinge zusammen auftreten:

  • Zähneknirschen
  • Knackgeräusche im Kiefergelenk
  • Kieferschmerz
  • Tinnitus
  • Druckgefühl im Ohr
  • Gefühl von vermindertem Hören
  • Nackenschmerzen
  • Verlust der Nackenkrümmung
  • Haltungsstörungen

Bei diesen Patienten muss nicht nur das vestibuläre System, sondern auch das Kiefergelenk und die Halswirbelsäule beurteilt werden.

Kiefergelenk, Nacken und Haltung arbeiten zusammen

Damit der Kopf ausgewogen getragen werden kann, arbeiten Nackenmuskeln, Kiefermuskeln und Wirbelsäulensystem in ständiger Koordination. Insbesondere können folgende Faktoren dieses System beeinflussen:

  • Vorgebeugte Kopfhaltung (Forward Head Posture)
  • Verlust der Nackenkrümmung
  • Schulterasymmetrien
  • Skoliose
  • Langjährige Schreibtischarbeit

Bei manchen Patienten können diese biomechanischen Belastungen zusätzlichen Stress auf das Kiefergelenk ausüben. Bei manchen Patienten beeinflussen Veränderungen von Wirbelsäule und Haltung das Kiefersystem, bei anderen beeinflussen Funktionsstörungen des Kiefersystems die Arbeitsweise der Kopf-Nacken-Muskeln.

Daher reichen bei der Beurteilung von Kiefergelenkbeschwerden intraorale Befunde allein möglicherweise nicht aus.

Der Ansatz von Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak

In unserer Klinik werden Patienten mit gleichzeitigem Schwindel und Kiefergelenkbeschwerden nicht nur mit Blick auf das Gelenk beurteilt. Die Antworten auf folgende Fragen werden gesucht:

  • Arbeitet das Kiefergelenk ausgewogen?
  • Besteht eine Zähneknirsch-Gewohnheit?
  • Erhöht die Okklusion die Gelenkbelastung?
  • Wie ist die Nackenhaltung?
  • Besteht ein Atemwegsproblem?
  • Ist das muskuloskelettale Gleichgewicht beeinträchtigt?
  • Beeinflusst die Wirbelsäulenausrichtung das Kiefersystem?

Ziel ist nicht, sich auf eine einzelne Struktur zu konzentrieren, sondern das funktionelle System des Patienten als Ganzes zu beurteilen.

Was ist das Ziel der Behandlung?

Ziel der Behandlung ist nicht nur, den Schwindel zu unterdrücken. Das Ziel ist:

  • die biomechanischen Belastungen des Kiefergelenks zu beurteilen
  • Ungleichgewichte im Muskelsystem zu erkennen
  • Haltung und funktionelle Bewegungsmuster zu verbessern
  • das okklusale System zu beurteilen
  • die Gesamtfunktion des Patienten zu verbessern

Zu diesem Zweck kann je nach Fall Folgendes geplant werden:

  • Anwendungen mit transparenten Schienen
  • Funktionell-orthopädische Ansätze
  • Kiefergelenkrehabilitation
  • Haltungsprogramme
  • Physiotherapie und Rehabilitationsunterstützung
  • Atemwegsorientierte Untersuchungen

Das Ziel ist hier, die funktionellen und biomechanischen Faktoren aufzuzeigen, die zu den Symptomen beitragen können, und einen patientenindividuellen Behandlungsplan zu erstellen.

Wann sollte man einen Facharzt aufsuchen?

In folgenden Situationen sollte immer eine professionelle Abklärung erfolgen:

  • Plötzlich auftretender starker Schwindel
  • Plötzlicher Hörverlust
  • Doppelbilder
  • Sprachstörung
  • Schwäche in Armen oder Beinen
  • Ohnmacht
  • Schwere neurologische Symptome

Diese Symptome können eine dringende Abklärung erfordern.

Fazit

Schwindel kommt nicht immer vom Innenohr. Bei manchen Patienten kann die komplexe Beziehung zwischen Kiefergelenk, Nackenregion, Haltung und Muskel-Skelett-System zur Entstehung der Symptome beitragen.

Daher sollte der moderne Ansatz sich nicht nur auf die Symptome konzentrieren, sondern auf das funktionelle System dahinter. In unserer Klinik ist das Ziel nicht nur, den Schwindel zu beurteilen, sondern den Zusammenhang zwischen Kiefergelenk, Okklusion, Haltung, Wirbelsäule und Atemweg zu verstehen, indem der Patient als Ganzes betrachtet wird.

Denn manchmal ist das, was behandelt werden muss, nicht der Schwindel selbst, sondern das biomechanische Ungleichgewicht, das zu ihm beiträgt.

Wenn Sie auch den Zusammenhang zwischen Tinnitus und Kiefergelenk wissen möchten, können Sie unseren Artikel „Kann Tinnitus ein Warnsignal sein?“ lesen.

Häufig gestellte Fragen

Kann das Kiefergelenk Schwindel verursachen?

In einigen Fällen ja. Sensorische Reize aus Kiefergelenk, Kaumuskeln und Nacken können das Gleichgewichtsempfinden beeinflussen, daher sollten diese Strukturen mitbeurteilt werden.

Mir ist schwindelig, aber Innenohr und MRT sind normal — warum?

Manche Schwindelformen lassen sich nicht allein durch das vestibuläre System erklären. Dann ist es wichtig, Kiefergelenk, Nacken und Haltung gemeinsam zu beurteilen.

Welche Symptome deuten auf kiefergelenkbedingten Schwindel hin?

Wenn Schwindel mit Zähneknirschen, Kieferknacken, Kieferschmerz, Ohrdruck oder -geräusch, Nackenschmerz, Verlust der Nackenkrümmung und Haltungsstörungen einhergeht, sollte auch das Kiefergelenk beurteilt werden.

Beeinflussen Haltung und Nacken den Schwindel?

Ja. Vorgebeugte Kopfhaltung, Verlust der Nackenkrümmung, Schulterasymmetrie und lange Schreibtischarbeit können das Kiefergelenk zusätzlich belasten und das Gleichgewichtssystem beeinflussen.

Wie wird die Behandlung geplant?

Ziel ist nicht nur, den Schwindel zu unterdrücken. Je nach Fall können transparente Schienen, funktionell-orthopädische Ansätze, Kiefergelenkrehabilitation, Haltungsprogramme, Physiotherapie und atemwegsorientierte Untersuchungen geplant werden.

Wann ist eine dringende Abklärung nötig?

Plötzlicher starker Schwindel, plötzlicher Hörverlust, Doppelbilder, Sprachstörungen, Schwäche in Arm oder Bein oder Ohnmacht erfordern eine dringende Abklärung.

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