Dentapolitan Klinik

Kann der Kieferschluss das Gleichgewicht bei Sportlern beeinflussen?

Der funktionelle sportzahnmedizinische Ansatz von Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak.

Stellen Sie sich einen Fußballer vor. Starke Muskeln, regelmäßiges Training, hohe technische Kapazität. Dennoch verliert er auf dem Platz häufig das Gleichgewicht, hat Schwierigkeiten bei Richtungswechseln und erleidet wiederkehrende Muskelverletzungen.

In diesem Fall richtet sich die Aufmerksamkeit oft auf Füße, Knie, Hüften oder Wirbelsäule. Aber was ist mit dem Kiefersystem?

Der Zusammenhang zwischen Kiefergelenk, Nackenregion und Wirbelsäule wird seit vielen Jahren erforscht. Der menschliche Körper besteht nicht aus unabhängig voneinander arbeitenden Strukturen. Kopfhaltung, Aktivität der Nackenmuskeln, Kiefergelenkfunktionen und posturales Gleichgewicht stehen in ständiger Wechselwirkung. Daher wird angenommen, dass das Kiefersystem bei manchen Sportlern Teil des gesamten Gleichgewichtsmechanismus sein könnte.

Das Gleichgewicht beginnt nicht nur an den Füßen

Die meisten Menschen verbinden Gleichgewicht nur mit den Füßen. Das Gleichgewichtssystem tauscht jedoch ständig Daten aus zwischen:

  • dem Sehsystem
  • dem Innenohr
  • sensorischen Informationen aus Muskeln und Gelenken
  • der Nackenregion
  • dem Kiefersystem

Funktionelle Veränderungen in jeder Körperregion können die Arbeitsweise dieses Systems beeinflussen. Daher wird im modernen Verständnis der Sportmedizin der Sportler ganzheitlich und nicht über eine einzelne Region beurteilt.

Könnte das Kiefersystem ein Gleichgewichtsproblem haben?

Wir erklären dies unseren Patienten manchmal mit folgendem Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie tragen an einem Fuß einen hochhackigen und am anderen einen flacheren Schuh. In diesem Fall sucht Ihr Körper beim Gehen ständig nach Gleichgewicht, und Ihre Muskeln versuchen, sich an die neue Situation anzupassen.

Ähnlich kann sich bei manchen Personen auch das Kiefersystem vom idealen funktionellen Gleichgewicht entfernen. Ungleichgewichte zwischen rechtem und linkem Kiefergelenk, den Kaumuskeln und dem Zusammenbiss der Zähne können das neuromuskuläre System zusätzlich belasten. Dies wird bei manchen Personen mit posturalen Kontrollmechanismen in Verbindung gebracht.

Warum ist es bei jungen Sportlern wichtiger?

Bei Sportlern in der Wachstums- und Entwicklungsphase bilden sich folgende Strukturen gleichzeitig aus:

  • Wirbelsäulenentwicklung
  • Muskelkoordination
  • Gleichgewichtssystem
  • Kieferentwicklung
  • Atemsystem

Daher muss bei jungen Sportlern nicht nur auf die sportliche Leistung, sondern auch auf die Entwicklungsprozesse geachtet werden. Insbesondere können folgende Befunde Zeichen sein, die früh beurteilt werden sollten:

  • Mundatmung
  • Enge Kiefer
  • Kreuzbisse
  • Vor- oder Rücklage des Kiefers
  • Ausgeprägte Haltungsstörungen

Sportverletzungen und funktionelles Gleichgewicht

Natürlich ist das Kiefersystem nicht die einzige Ursache von Sportverletzungen. Bei manchen Sportlern ist es jedoch wichtig, die funktionellen Ungleichgewichte zu untersuchen, die wiederkehrenden Verletzungen zugrunde liegen.

Wenn Muskelketten, Haltung, Wirbelsäulengleichgewicht und Kiefersystem zusammen beurteilt werden, lassen sich umfassendere Informationen über das Bewegungsmuster des Sportlers gewinnen. Daher gewinnen multidisziplinäre Beurteilungsmodelle in manchen sportmedizinischen Zentren zunehmend an Bedeutung.

Der Ansatz von Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak

In unserer Klinik wird die Sportlerbeurteilung nicht nur durch Betrachtung der Zähne durchgeführt. Gleichzeitig wird Folgendes als Ganzes beurteilt:

  • Kiefergelenkfunktionen
  • Okklusale Beziehungen
  • Nackenhaltung
  • Wirbelsäulengleichgewicht
  • Atemmuster
  • Vorliegen von Mundatmung
  • Kaumuskeln
  • Das gesamte posturale System

Ziel ist nicht nur, die Zähne zu korrigieren, sondern das funktionelle System des Sportlers zu verstehen.

Wohin geht die Sportzahnmedizin in der Zukunft?

Die traditionelle Sportzahnmedizin konzentrierte sich viele Jahre auf Mundschutz. Heute wird die Sportzahnmedizin zu einer breiteren Disziplin, die auch die Zusammenhänge zwischen folgenden Bereichen untersucht:

  • Kiefergelenk
  • Atemweg
  • Atmung
  • Haltung
  • Gleichgewicht
  • Neuromuskuläres System

Dieser Ansatz bietet besonders für Sportler in der Entwicklungsphase neue Möglichkeiten.

Fazit

Bei Sportlern lassen sich Gleichgewicht und Leistung nicht allein durch Muskelkraft erklären. Zwischen Kiefersystem, Nackenregion, Wirbelsäule und Haltung bestehen komplexe Zusammenhänge.

Auch wenn nicht für jeden Sportler die gleichen Ergebnisse gelten, kann das Kiefersystem bei manchen Personen einer der wichtigen Teile des gesamten funktionellen Gleichgewichts sein. Daher sollte sich die moderne Sportzahnmedizin nicht nur auf die Zähne, sondern auf das gesamte biomechanische System des Sportlers konzentrieren.

Denn manchmal beeinflusst nicht nur die Kraft der Muskeln die Leistung, sondern wie ausgewogen das System arbeitet.

Wenn Sie auch den Zusammenhang zwischen Kiefergelenk und Gleichgewicht bzw. Schwindel wissen möchten, können Sie unseren Artikel „Kann das Kiefergelenk Schwindel und Gleichgewichtsstörungen verursachen?“ lesen.

Häufig gestellte Fragen

Kann der Kieferschluss das Gleichgewicht bei Sportlern beeinflussen?

Auch wenn es nicht bei jedem Sportler gleich ist, kann das Kiefersystem bei manchen Personen Teil des gesamten Gleichgewichtsmechanismus sein. Ungleichgewichte zwischen rechtem und linkem Kiefergelenk, den Kaumuskeln und dem Zusammenbiss können das neuromuskuläre System zusätzlich belasten.

Beginnt das Gleichgewicht nur an den Füßen?

Nein. Das Gleichgewichtssystem tauscht ständig Daten zwischen Sehsystem, Innenohr, sensorischen Informationen aus Muskeln und Gelenken, Nackenregion und Kiefersystem aus. Daher sollte der Sportler ganzheitlich beurteilt werden.

Warum ist die Kieferentwicklung bei jungen Sportlern wichtiger?

In der Wachstumsphase bilden sich Wirbelsäulenentwicklung, Muskelkoordination, Gleichgewichtssystem, Kieferentwicklung und Atemsystem gleichzeitig aus. Mundatmung, enge Kiefer, Kreuzbisse und Haltungsstörungen können Befunde sein, die früh beurteilt werden sollten.

Ist das Kiefersystem die Ursache von Sportverletzungen?

Das Kiefersystem ist nicht die einzige Ursache von Sportverletzungen. Bei manchen Sportlern ist es jedoch wichtig, die funktionellen Ungleichgewichte zu untersuchen, die wiederkehrenden Verletzungen zugrunde liegen.

Geht es in der Sportzahnmedizin nur um Mundschutz?

Die traditionelle Sportzahnmedizin konzentrierte sich viele Jahre auf Mundschutz. Heute wird sie zu einer breiteren Disziplin, die auch die Zusammenhänge zwischen Kiefergelenk, Atemweg, Atmung, Haltung, Gleichgewicht und neuromuskulärem System untersucht.

Wie ist der Ansatz bei der Beurteilung eines Sportlers?

Die Beurteilung erfolgt nicht nur durch Betrachtung der Zähne; Kiefergelenkfunktionen, okklusale Beziehungen, Nackenhaltung, Wirbelsäulengleichgewicht, Atemmuster, Mundatmung, Kaumuskeln und das gesamte posturale System werden als Ganzes betrachtet.

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