Kann Tinnitus ein Warnsignal sein?
Der funktionelle Ansatz von Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak.
Wenn etwas nicht stimmt, warnt uns der menschliche Körper häufig durch verschiedene Signale:
- Schmerz ist ein Signal.
- Fieber ist ein Signal.
- Atemnot ist ein Signal.
- In manchen Fällen ist auch Tinnitus ein Signal.
Daher sollte Tinnitus nicht als eigenständige Krankheit betrachtet werden, sondern als wichtiger klinischer Befund, dessen zugrunde liegende Ursache untersucht werden muss.
Bei manchen Menschen kann Tinnitus vorübergehend und harmlos sein, bei anderen das erste Anzeichen von Problemen, die mit dem Gehör, dem Kreislaufsystem, dem Nervensystem oder dem Kiefergelenk zusammenhängen.
Die entscheidende Frage lautet: Was versucht uns der Tinnitus zu sagen?
Nicht jeder Tinnitus ist gleich
Tinnitus ist keine einzelne Krankheit. Tatsächlich kann er das gemeinsame Symptom vieler verschiedener Ursachen sein, darunter:
- Innenohrerkrankungen
- Hörverlust
- Lärmbelastung
- Probleme des Kreislaufsystems
- Nebenwirkungen bestimmter Medikamente
- Neurologische Erkrankungen
- Kiefergelenkstörungen
- Zähneknirschen
- Nacken- und Haltungsprobleme
Deshalb sollte jeder Patient individuell beurteilt werden.
Tinnitus und das Gehörsystem
Bei manchen Patienten kann Tinnitus eines der ersten Anzeichen von Veränderungen im Gehörsystem sein. Eine ausführliche HNO- und Höruntersuchung ist besonders wichtig, wenn Folgendes vorliegt:
- Vermindertes Hörvermögen
- Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen
- Kommunikationsprobleme in lauter Umgebung
- Einseitiges Ohrgeräusch
Wichtig ist hier nicht das Geräusch selbst, sondern die frühzeitige Erkennung der Ursache.
Auch Kiefergelenk und Nacken können Teil dieses Alarmsystems sein
Neuere Studien zeigen, dass sich manche Tinnitusfälle nicht allein durch das Gehörsystem erklären lassen. Besonders bei Personen, die folgende Merkmale aufweisen, kann eine Beurteilung von Kiefergelenk und umliegendem Muskelsystem nötig sein:
- Zähneknirschen
- Knackgeräusche im Kiefer
- Morgendliche Kiefermüdigkeit
- Nackenschmerzen
- Schwindelgefühl
- Haltungsstörungen
Bei dieser in der Literatur als „somatosensorischer Tinnitus“ bezeichneten Gruppe wird angenommen, dass sensorische Reize aus Kiefer, Nacken und Muskelsystem die Wahrnehmung des Ohrgeräuschs beeinflussen können.
Das Geräusch zum Schweigen bringen oder die Ursache finden?
Viele Patienten wünschen sich natürlich, dass das Geräusch vollständig verschwindet. Aus Sicht der modernen Medizin ist jedoch die wichtigere Frage: Warum ist dieses Geräusch aufgetreten?
Denn manchmal kann das Geräusch die erste Warnung sein von:
- dem Gehörsystem
- dem Kiefergelenk
- dem Muskel-Skelett-System
- dem Atemweg
- dem posturalen Gleichgewicht
Daher ist es sinnvoller, die zugrunde liegende Ursache zu untersuchen, als nur das Symptom zu unterdrücken.
Der Ansatz von Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak
In unserer Klinik werden Patienten mit Tinnitus nicht nur mit Blick auf das Ohr beurteilt. Die folgenden Aspekte des Patienten werden als Ganzes betrachtet:
- Kiefergelenkfunktionen
- Okklusaler Biss
- Zähneknirsch-Gewohnheiten
- Kopf- und Nackenhaltung
- Atemwegsstruktur
- Muskuloskelettales Gleichgewicht
Ziel ist nicht nur, das Geräusch zu verringern, sondern die funktionellen Ungleichgewichte aufzuzeigen, die dazu beitragen können.
Wann sollten Sie unbedingt einen Facharzt aufsuchen?
In folgenden Situationen sollte eine professionelle Untersuchung nicht aufgeschoben werden:
- Plötzlich auftretender Tinnitus
- Ohrgeräusch nur auf einem Ohr
- Begleitender Hörverlust
- Starker Schwindel
- Gleichgewichtsstörungen
- Taubheit im Gesicht oder neurologische Symptome
- Lang anhaltender Tinnitus, der die Lebensqualität beeinträchtigt
In diesen Fällen sollten zuerst HNO- und die erforderlichen fachärztlichen Untersuchungen erfolgen.
Fazit
Tinnitus bedeutet nicht immer eine schwere Krankheit. Aber er ist immer ein Signal, das beachtet werden sollte.
Mal aus dem Gehörsystem, mal aus dem Kiefergelenk und mal aus dem Muskel-Skelett-System kommend, kann dieses Signal die Art des Körpers sein, uns mitzuteilen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Deshalb kommt es nicht nur darauf an, das Geräusch nicht mehr zu hören, sondern zu verstehen, warum es aufgetreten ist.
Wenn Sie den Zusammenhang zwischen Tinnitus und Kiefergelenk wissen möchten, können Sie auch unseren Artikel „Könnte die Ursache Ihres Tinnitus nicht Ihr Ohr, sondern Ihr Kiefergelenk sein?“ lesen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Tinnitus (Ohrgeräusch) eine Krankheit?
Nein. Tinnitus ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein klinischer Befund – ein Signal, dessen zugrunde liegende Ursache untersucht werden sollte.
Was verursacht Tinnitus?
Viele Faktoren können beteiligt sein: Innenohrerkrankungen, Hörverlust, Lärm, Kreislaufprobleme, bestimmte Medikamente, neurologische Erkrankungen, Kiefergelenkstörungen, Zähneknirschen und Haltungsprobleme.
Können Kiefergelenk und Zähneknirschen Tinnitus verursachen?
In einigen Fällen ja. In der als „somatosensorischer Tinnitus“ bezeichneten Gruppe können sensorische Reize aus Kiefer, Nacken und Muskelsystem die Wahrnehmung des Ohrgeräuschs beeinflussen.
Wann sollte ich wegen Tinnitus zum Arzt?
Lassen Sie sich ohne Verzögerung untersuchen bei plötzlichem oder einseitigem Ohrgeräusch, Hörverlust, starkem Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Taubheit im Gesicht oder lang anhaltendem Tinnitus.
Kann Tinnitus behandelt werden?
Der Ansatz beruht darauf, die zugrunde liegende Ursache zu finden, statt das Geräusch nur zu unterdrücken. Ist die Ursache richtig bestimmt, kann ein ganzheitlicher Plan erstellt werden.
Wie beurteilt Prof. Dr. Mehmet Oğuz Öztoprak Tinnitus?
Nicht nur das Ohr; Kiefergelenkfunktion, Okklusion, Zähneknirschen, Kopf- und Nackenhaltung, Atemweg und muskuloskelettales Gleichgewicht werden als Ganzes beurteilt.